Steiermark · Wein News

Trinkgeld ... wem gehört's?

In Folge 11 von „Der letzte Schluck zum Feierabend" sprechen Michael Gehring und ich über eine Frage, die in fast jedem Servicebetrieb für Unruhe sorgt: Wem gehört das Trinkgeld, und wie wird es im Team fair verteilt? Für Winzer mit eigenem Ab-Hof-Verkauf oder Vinothek lässt sich das direkt übertragen, auch wenn dort selten von Trinkgeld die Rede ist, sondern von Provisionen und Verkaufsprämien.

Trinkgeld-Konflikte sind selten wirklich Geld-Konflikte. Meist geht es um Anerkennung: Wer hat den Verkauf gemacht, wer hat die Vorarbeit geleistet, wer stand einfach zufällig an der Kasse, als der Kunde bezahlte. Genau dieses Muster kennt jeder Betrieb mit mehreren Personen im Verkauf, auch am Weingut.

Warum die Frage nie nur ums Geld geht

Sobald mehr als eine Person am Ab-Hof-Verkauf oder in der Vinothek verkauft, entsteht früher oder später die gleiche Spannung wie beim Trinkgeld im Restaurant. Hat die Aushilfe am Wochenende Anspruch auf den gleichen Anteil wie die Mitarbeiterin, die den Kunden seit Jahren berät und die Weinauswahl kennt wie kein anderer? Wird eine große Bestellung, die über Wochen vorbereitet wurde, am Ende einfach der Person zugerechnet, die zufällig Dienst hatte? Solange diese Fragen ungeklärt bleiben, sammeln sich kleine Verärgerungen an, bis sie sich an einem einzigen Vorfall entladen.

Provisionen am Weingut: die gleiche Fairness-Frage

Viele kleine und mittlere Weingüter haben gar kein festes Provisionsmodell, sondern eine gewachsene, stillschweigende Praxis. Das funktioniert, solange das Team klein und eingespielt ist. Sobald neue Mitarbeiter dazukommen oder der Verkauf über mehrere Kanäle läuft, Vinothek, Hofladen, Events, reicht Gewohnheit nicht mehr aus. Dann braucht es eine Regel, die vorher steht, nicht erst, wenn der erste Streit entsteht. Wer im Team über Verkaufsanteile spricht, sollte das offen tun, nicht im Vorbeigehen.

Klare Regeln statt stillschweigender Gewohnheit

Eine faire Regel muss nicht kompliziert sein. Sie muss vor allem eines sein: bekannt, verständlich und für alle gleich. Das gehört in jede gute Mitarbeiterführung am Weingut, ähnlich wie eine saubere Einarbeitung oder eine klare Erwartungshaltung im Kundengespräch. Wer seinem Team hier Struktur gibt, spart sich nicht nur Konflikte, sondern schafft auch Motivation: Wer weiß, wofür sich Einsatz lohnt, verkauft engagierter. Mehr dazu, wie strukturierte Führung im Verkauf konkret aussieht, in unseren Mitarbeiterschulungen.

Trinkgeld verteilt sich nie von selbst fair. Das gilt für die Gastronomie genauso wie für die Vinothek am eigenen Weingut.

Faire Regeln für den eigenen Vinothek-Verkauf

  • Legen Sie schriftlich fest, wie Verkaufserfolg im Team verteilt wird, bevor der erste Konflikt entsteht
  • Unterscheiden Sie zwischen kurzfristigem Verkaufserfolg und langfristiger Kundenbetreuung, beides verdient Anerkennung
  • Besprechen Sie die Regeln offen im Team, nicht nur mit einzelnen Personen

Folge 11 vollständig hören

Die vollständige Episode mit Michael Gehring und mir gibt es auf Spotify und den anderen gängigen Plattformen. Eine ausführliche Einordnung aus Sicht der Hotellerie und Gastronomie finden Sie im Originalartikel auf hotelsuccess.cc/podcast, der Hauptseite unseres gemeinsamen Podcasts.

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