Steiermark · Wein News

Longevity im Weingut: Warum die Gesundheit des Winzers eine Betriebsfrage ist

In Folge 31 von „Der letzte Schluck zum Feierabend" trägt Michael Gehring das Thema Longevity für die Hospitality-Branche vor, ich bin diesmal sein Gegenüber. Es geht um Healthspan und Lifespan, um die Frage, was am Longevity-Hype 2026 Substanz ist und was Geschäft, und am Ende um vier Bausteine für den Alltag: Schlaf, Ernährung, Bewegung, Stress. Eine Wein-Folge ist das nicht. Für Weingüter ist sie trotzdem eine der praktischsten Folgen der letzten Monate.

Ich höre in Beratungsgesprächen selten den Satz „mir geht die Kraft aus". Ich sehe ihn. An verschobenen Terminen, an Newslettern, die seit vier Monaten nicht rausgegangen sind, an Instagram-Kanälen, die im Frühjahr aktiv waren und ab der Lese verstummen. Fast immer ist die Ursache nicht fehlende Idee und nicht fehlendes Budget, sondern fehlende Energie einer einzigen Person.

Healthspan und Lifespan, kurz erklärt

Michael Gehring macht in der Folge den Unterschied auf, um den es eigentlich geht. Lifespan ist die Lebenszeit. Healthspan ist die Zeit davon, in der man tatsächlich leistungsfähig und beschwerdefrei ist. Longevity zielt nicht auf mehr Jahre, sondern auf mehr gute Jahre. Wer das einmal so hört, versteht auch, warum er den Hype von 2026 zweiteilt: Es gibt einen Teil, der belastbar ist, und einen Teil, der schlicht ein gut verkauftes Produkt ist.

Der Betrieb ist so belastbar wie die Person, die ihn trägt

Sein Kernsatz für die Hotellerie lautet: ohne gesunde Mitarbeiter kein gesundes Unternehmen. In einem Familienweingut trifft dieser Satz noch härter, weil dort meist keine zweite Führungsebene existiert. Wer im Weingarten steht, steht abends auch in der Vinothek, schreibt am Wochenende die Rechnungen und beantwortet zwischendurch die Anfragen. Wenn diese Person ausfällt, fällt nicht eine Aufgabe aus, sondern der ganze Vertrieb. Das ist kein Gesundheitsthema, das ist ein Betriebsrisiko, und es gehört in dieselbe Schublade wie Frostschutz und Versicherung.

In einem Weingut mit zwei Vollzeitkräften ist der Kalender des Eigentümers die eigentliche Marketingstrategie. Alles andere ist Umsetzung.

Die vier Bausteine, übersetzt auf den Weingut-Jahreslauf

Schlaf, Ernährung, Bewegung und Stress klingen banal, bis man sie gegen einen echten Weingut-Kalender hält. Die Lese ist körperlich, sie hat kein Wochenende und sie verschiebt sich nicht. Die Messesaison bedeutet Auswärtstermine und späte Abende. Verkostungen bringen Alkohol in den Arbeitsalltag, nicht als Genuss, sondern als Beruf. Und die stillen Wochen im Winter sind genau die Zeit, in der viele Betriebe zusätzlich Bauprojekte hineinlegen.

  • Planen Sie die Erholungsphase nach der Lese genauso verbindlich in den Kalender wie die Lese selbst, sonst frisst sie das Tagesgeschäft auf
  • Legen Sie fest, wie viele Verkostungstermine pro Woche für Sie das Maximum sind, und halten Sie diese Zahl auch in guten Monaten ein
  • Verlegen Sie Marketingarbeit in die Monate, in denen körperlich weniger los ist, statt sie in Spitzenzeiten nebenbei zu erledigen
  • Bauen Sie im Team eine zweite Person auf, die Vinothek und Anfragen allein tragen kann, und sei es nur für zwei Wochen im Jahr

Der letzte Punkt ist der, den ich am häufigsten anspreche und am seltensten umgesetzt sehe. Wie das im Verkauf konkret aussieht, steht im Artikel Mitarbeiterschulung im Vinothek-Verkauf.

Und wo daraus eine Marktfrage wird

Es gibt noch eine zweite Ebene, die in der Folge nur angerissen wird, die ich aber für Weingüter für wichtig halte. Wenn eine wachsende Gruppe von Kunden bewusster auf ihre Gesundheit achtet, verändert das auch, wie über Wein gesprochen wird. Das ist keine Bedrohung für ein Weingut. Es ist eine Einladung, Qualität und Maßvolles klarer zu betonen als Menge, und Verkostungen so zu gestalten, dass Genuss und Bewusstsein zusammenpassen. Wer weiß, wer seine Kunden sind, tut sich hier leichter, dazu passt Zielgruppen im Weinmarketing.

Die Folge in voller Länge

Die komplette Episode mit Michael Gehring, inklusive seiner Einordnung zum Longevity-Markt und den vier Bausteinen, gibt es auf Spotify und auf den anderen gängigen Plattformen. Die Hospitality-Perspektive dazu finden Sie auf hotelsuccess.cc/podcast, der Hauptseite unseres gemeinsamen Podcasts.

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